Zurück in der Heimat und mitten in einem historischen Aufbau: Für Prof. Dr. Jeannine Schübel ist ihre neue Professur für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem weit mehr als ein beruflicher Wechsel. Sie ist die Chance, in einer Region mitzugestalten, mit der sie seit jeher eng verbunden ist.
Die 42-Jährige stammt aus Altdöbern, ging in Großräschen zur Schule, studierte später in Dresden Medizin und arbeitete dort viele Jahre in einer Gemeinschaftspraxis. Nun kehrt sie beruflich in die Lausitz zurück. Für sie ist das ein besonderer Moment.
Medizin mit Nähe zum Menschen
Bereits als Kind war für Jeannine Schübel klar: Sie möchte in ihrem Beruf mit Menschen arbeiten, etwas Soziales machen. Am Ende entschied sie sich für das Medizinstudium. „Ich wollte nie allzu weit weg von meiner Heimat leben und war daher sehr froh, als ich die Zusage für meinen Studienplatz in Dresden bekam“.
Dass sie nun als Professorin in die Lausitz zurückkehrt, schließt für sie einen Kreis. Ihre Familie lebt bis heute in der Region, auch ihr Mann stammt von hier. Der Bezug zur Heimat sei deshalb nie abgerissen.
Umso mehr freut sie sich, nun vor Ort etwas mit aufbauen zu können. Ihr ist wichtig, eine gute Beziehung zu ihren Studierenden aufzubauen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen nicht nur fachlich, sondern auch menschlich etwas mitzugeben.
In ihrer neuen Rolle als Professorin möchte sie Studierende daher nicht nur ausbilden, sondern für ihren Beruf begeistern. Dabei ist ihr Traum, ein gutes Vorbild zu werden: „Ich möchte gern die Professorin sein, die vorlebt wie nahbar und vielseitig moderne Medizin ist und die Orientierung und Motivation mit auf den Weg gibt.“
Aus unserer Sicht ist sie das schon heute: Ein Vorbild für junge Lausitzerinnen und Lausitzer. Ihr Weg macht Mut, den eigenen Weg zu gehen und zeigt, dass sich berufliche Perspektiven und persönliche Verbundenheit zur Heimat nicht ausschließen, sondern im besten Fall genau hier zusammenfinden. Für ihre Fachrichtung brennt Prof. Jeannine Schübel spürbar. „Die Allgemeinmedizin reizt mich, weil sie so breit, so nah am Leben und so nah an den Menschen ist. In der Hausarztpraxis geht es nicht nur um einzelne Symptome, sondern oft um ganze Lebensgeschichten, um Familien und Begleitung über Jahre hinweg.“
Genau das macht das Fach für sie besonders: die Vielfalt, die Nähe und die Kontinuität. „Wenn die Tür aufgeht, weiß ich nie, wer gleich reinkommt“, sagt sie schmunzelnd. Für Prof. Schübel ist die Allgemeinmedizin deshalb weit mehr als Grundversorgung, sie ist ein anspruchsvolles Fach mit großer gesellschaftlicher Bedeutung.
Neue Versorgungsformen aus der Lausitz
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit wird die Frage sein, wie medizinische Versorgung in unserer Region zukunftsfähig gestaltet werden kann. Dabei geht es um ganz praktische Fragen: Welche neuen Berufsrollen entlasten sinnvoll? Wo helfen digitale Angebote? Und wo braucht es weiterhin den direkten menschlichen Kontakt? Prof. Schübel spricht dabei bewusst differenziert über neue Versorgungskonzepte. Telemedizin könne vieles erleichtern, sagt sie – aber eben nicht alles. „Gerade in der Allgemeinmedizin geht es oft um Beziehung, Vertrauen und Zwischentöne, die sich nicht vollständig digital abbilden lassen.” Gleichzeitig sieht sie Potenzial darin, neue und bestehende Versorgungsformen besser zu vernetzen, etwa durch neue Gesundheitsberufe oder klare Schnittstellen zwischen verschiedenen Akteuren. Genau darin liegt für sie auch eine Chance für die Lausitz: Versorgung nicht nur zu verwalten, sondern neue Wege wissenschaftlich begleitet auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
Forschung, Lehre und Versorgung zusammendenken
Was sie an der MUL-CT besonders reizt, ist die Möglichkeit, Forschung, Lehre und Patientenversorgung eng miteinander zu verbinden. Denn genau das laufe in der Medizin anderswo häufig noch zu getrennt voneinander. Sie möchte Forschung nicht losgelöst vom Alltag denken, sondern dort ansetzen, wo Versorgung tatsächlich stattfindet: in Praxen, im Austausch mit Ärztinnen und Ärzten, medizinischen Teams und Patientinnen und Patienten. Dafür will sie in der Region mit dem Ärztebeirat ein Netz von Lehr- und Forschungspraxen aufbauen. Diese Praxen sollen Studierenden Einblicke in die ambulanteVersorgung ermöglichen und zugleich dazu beitragen, Fragestellungen aus dem Versorgungsalltag wissenschaftlich aufzugreifen.
Zu Prof. Schübels Verständnis von moderner Universitätsmedizin gehört auch, Patientinnen und Patienten systematisch einzubeziehen. Deshalb plant sie neben einem Ärztebeirat auch einen Patientenbeirat. Die Idee dahinter: Wer Versorgung verbessern will, sollte die Perspektive derjenigen mitdenken, um die es geht. Patientinnen und Patienten sollen mit benennen können, wo Probleme liegen, welche Themen relevant sind und wie Informationen oder Forschungsprojekte verständlich und alltagstauglich gestaltet werden können. Jeannine Schübel erklärt: „Das ist in meinen Augen eine logische Voraussetzung dafür, dass Forschung und Lehre nah an der Versorgung bleiben und echte Mehrwerte in den Alltag der Menschen getragen werden.“
Ein Studium, das Medizin neu denkt
Mit dem Wintersemester 2026/27 beginnt an der MUL-CT etwas Neues: Dann starten die ersten 36 Studierenden in den Modellstudiengang Humanmedizin. Für Prof. Schübel ist das ein echter Aufbruch – auch, weil die Allgemeinmedizin hier von Anfang an mitgedacht wird. Bereits ab der ersten Woche sollen die Studierenden mit dem Fach in Berührung kommen. Für sie ist das ein starkes Signal: „Die Breite und Bedeutung der Allgemeinmedizin werden hier endlich so sichtbar, wie sie es verdient hat.“
Auch sonst hebt sich das Studium deutlich von klassischen Modellen ab: kleine Gruppen, enge Begleitung, flachere Hierarchien, interprofessionelles Lernen und früher Patientenkontakt. „Die Studierenden sollen früh erleben, dass gute Medizin Teamarbeit ist und dass zur Versorgung mehr gehört als Fachwissen allein.“, sagt Schübel über den Modellstudiengang in Cottbus. Besonders wichtig ist ihr, dass vieles nicht nur im Hörsaal vermittelt wird. Die Studierenden sollen früh in Praxis und in die ambulante Versorgung hineinwachsen, weil sich gerade dort vieles zeigt, was Allgemeinmedizin ausmacht: echte Begegnungen, komplexe Lebenslagen und der Blick auf den Menschen im Alltag.
Perspektivisch denkt sie dabei noch weiter: Das entstehende Praxisnetzwerk soll nicht nur Lehrorte für das Studium bieten, sondern gezielt Perspektiven für die Zeit danach eröffnen – von der Weiterbildung bis zur eigenen Tätigkeit in der Region. Davon kann auch die Lausitz direkt profitieren: Viele Hausarztpraxen suchen bereits heute Nachfolgerinnen und Nachfolger. Indem Studierende früh Einblicke bekommen und persönliche Bindungen aufbauen, entstehen konkrete Wege, um medizinischen Nachwuchs langfristig in der Region zu halten und die Versorgung vor Ort zu sichern.
Die Lausitz – eine echte Chancenregion
Prof. Dr. Jeannine Schübel bringt Begeisterung für alle Facetten der Allgemeinmedizin und eine tiefe Verbundenheit mit der Lausitz mit. Bei aller neuen Verantwortung will sie auch weiterhin hausärztlich tätig bleiben. Denn für sie ist klar: „Wenn ich Allgemeinmedizin lehre und beforsche, möchte ich nicht nur über Praxisalltag reden, sondern ihn auch weiterhin leben. Forschung, Lehre und Versorgung bieten einen spannenden Dreiklang.“
Persönlich blickt sie mit großer Vorfreude auf die Entwicklung der Region und dem Studienstart entgegen. Für sie ist jetzt ein besonderer Moment: „Man kann unglaublich viel mitgestalten, was anderswo nicht möglich wäre.“ Dass mit der MUL-CT gerade in der Lausitz eine neue Universitätsmedizin entsteht, ist für sie deshalb mehr als ein institutioneller Aufbau. Es ist eine echte Chance für die krasse Lausitz, für die Gesundheitsversorgung und für junge Menschen, die hier etwas bewegen wollen.



