Fünf Jahre nach dem Start des Strukturstärkungsgesetzes ist der Wandel in der Lausitz nicht mehr nur ein Versprechen. Er ist sichtbar, erlebbar – und vielerorts bereits Alltag. Neue Gebäude entstehen, Projekte werden eröffnet, Arbeitsplätze geschaffen. Was heute selbstverständlich erscheint, war im Sommer 2020 alles andere als sicher. Der Lausitzbeauftragte Dr. Klaus Freytag gibt im Interview Einblicke in den Lausitzer Prozess:
Fünf Jahre Strukturwandel: Vom Zweifel zur sichtbaren Realität
„Im August 2020 war die Stimmung trotz aller Zusagen alles andere als gut“, erinnert sich der Lausitzbeauftragte des Landes Brandenburg, Dr. Klaus Freytag. „Es gab eine große Skepsis: Werden die Versprechen eingehalten? Kommt das Geld wirklich in der Region an?“ In Medien, Politik und Bevölkerung dominierte Unsicherheit. Für viele Menschen war der Strukturwandel damals noch kein Aufbruch, sondern ein Risiko. Doch was hat sich seither verändert?
Ein neuer Weg – Made in Lausitz
Gerade in dieser Phase entstand etwas Besonderes: der Lausitzer Weg des Strukturwandels. In kurzer Zeit wurde das Lausitz-Programm 2038 erarbeitet – bewusst „made in Lausitz“, wie Herr Freytag betont. Es baute auf den Vorarbeiten der Zukunftswerkstatt auf und schaffte klare Strukturen für Förderung, Beteiligung und Umsetzung. Der Lausitzbeauftragte selbst hat damals mit seinem Team intensiv am Lausitzprogramm gearbeitet.
Ein entscheidender Schritt folgte Anfang 2021 mit der Gründung der Wirtschaftsregion Lausitz. Region und Landesregierung verständigten sich auf Augenhöhe – ein bundesweit einzigartiges Modell. Noch wichtiger aber war ein weiteres Instrument: die Werkstätten. „Um diese Idee beneiden uns viele Kohleregionen“, sagt Herr Freytag. Ehrenamtlich geleitet, offen organisiert, ohne formale Hürden. Hier werden Projekte diskutiert und nachgeschärft bis sie schließlich einstimmig empfohlen werden können. Aus den vielen Ideen entstehen so realitätsnahe Vorhaben, die tatsächlich auf die Entwicklung der Region einzahlen.
Selbst die Corona-Pandemie bremste diesen Prozess nicht. Im Gegenteil: Die Werkstätten fanden digital statt und wurden so für jeden Interessierten zugänglich. Der Lausitzbeauftragte erinnert sich: „Teilweise haben sich 150 bis 200 Menschen eingeklinkt und den Prozess verfolgt. Das Verständnis für den Strukturwandel fuhr dadurch hoch, während vieles andere aufgrund der Pandemie runterfuhr.“
Wann aus Vertrauen Wirklichkeit wurde
Lange blieb der Strukturwandel abstrakt. Pläne, Skizzen, Förderbescheide. Doch irgendwann kam der Moment, in dem aus Zukunftsversprechen Realität wurde. Für Herr Freytag ist ein Projekt dabei besonders prägend: der Aufbau der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem. „Im Sommer 2024 wurden mit einem Schlag über 3.500 Menschen zu Strukturwandelarbeitern “, sagt er. Ohne Brüche, ohne Proteste. Mitarbeitende wurden Teil einer Universitätsmedizin, die wächst, neue Jobs schafft und Perspektiven für junge Menschen bietet. Man spürt den Stolz der Mitarbeitenden schon am Eingang der MUL-CT, wo in großer Schrift auf dem Plakat steht: Wir sind Uni.
Ähnlich empfand es Herr Freytag auch während des Bauprozesses des ICE-Instandhaltungswerkes in Cottbus. Viele Menschen konnten es erst nicht glauben, dass Europas modernstes ICE-Instandhaltungswerk hier in der Lausitz stehen wird. "Dann rollten die ersten Bagger an, die ersten Säulen standen, Wände wurden in Rekordzeit hochgezogen und spätestens zur Eröffnung und als die vielen neuen Stellenanzeigen online waren war jedem klar: Hier verändert sich was", erinnert sich der Lausitzbeauftragte. Heute sind genau diese Projekte und die Baustellen ein sichtbare Zeichen dafür, dass der Wandel wirklich angekommen ist.
Rekordjahr 2025: Wandel zum Anfassen
Das Jahr 2025 markiert einen besonderen Punkt im Strukturwandel. Nie zuvor wurden so viele Ergebnisse gleichzeitig sichtbar. Neue Einrichtungen öffneten ihre Türen, Projekte wurden eröffnet, Spatenstiche gesetzt, Förderbescheide übergeben. Und das zeigt in der gesamten Lausitz Wirkung: In Senftenberg entstanden neue Themenspielplätze, in Elbe-Elster ein modernes Oberstufenzentrum, in Cottbus neue Straßenbahnen, in Neuhausen wurde ein Verkehrslandeplatz modernisiert und in Forst kann nun die industrielle Geschichte im modernisierten Textilmuseum erlebt werden. „Gerade weil viele Projekte während der Planung schwer greifbar sind, ist diese Sichtbarkeit so wichtig“, sagt Herr Freytag. „Sie zeigt: Versprechen werden eingelöst.“ Ein wichtiger Baustein dafür ist in seinen Augen die Imagekampagne Die Lausitz. Krasse Gegend., weil sie genau diese Entwicklungen sichtbar macht.
Blick nach vorn
Fünf Jahre nach dem Start ist die Lausitz eine große Baustelle – im besten Sinne. Es wird gebaut, gegründet, erneuert. Und auch in fünf Jahren wird es Baustellen geben, sagt Herr Freytag. Aber eben woanders. Der Lausitzbeauftragte selbst zeigt gern Bilder vom Gräbendorfer See: 1992 ein stillgelegter Tagebau und heute ein lebendiger Ort mit neuer Lebensqualität. „Diese Entwicklung geschah in 30 Jahren – davon träumen andere Regionen.“
Der Strukturwandel ist auf Kurs. Nicht abgeschlossen, aber weit gekommen. Und vor allem ist er eins: Er ist sichtbar.


